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GIRL POWER: 3 Gründe warum ich es geliebt habe, eine Mädchenschule zu besuchen.

04.21.17

Anlässlich des Beschlusses meiner ehemaligen Schule, den Unterricht zukünftig koedukativ abzuhalten, möchte ich gerne ein paar Zeilen schreiben. Ja, ich war auf einer Mädchenschule. Schuluniform only, Girls only und alle direkt so „WHAT, WAR DAS NICHT MEGA SCHLIMM?!“. Und ich nur so „Nein, ich hatte dort die beste Zeit.“ 

Damals, als ich vor gut 5 Jahren mit meiner Matura in der Hand aus der Riedenburg spaziert bin, war mir durchaus bewusst, wie sehr ich die letzten 8 Jahre genossen habe und dass ich meine Schulzeit ziemlich vermissen werde. Weniger bewusst war mir, dass das zu einem sehr großen Teil daran gelegen hat, dass das Sacré-Cœur Riedenburg eine Mädchenschule war. Ich schätze, damals war ich noch zu grün hinter den Ohren, um das große Ganze zu verstehen. Heute sehe ich, wie wertvoll es war, gefühlt jeden Tag gesagt zu bekommen, dass ich gerade zu einer jungen, selbstdenkenden und kritisch hinterfragenden Dame heranwachse und mit dieser Einstellung alles erreichen kann, was ich mir wünsche. Damals war mir nicht klar, dass manche Dinge, von denen ich als Schülerin einer Mädchenschule profitierte, nicht für die Allgemeinheit selbstverständlich sind. Heute weiss ich das umso besser und bin mehr als froh, dass ich in solch einem Umfeld groß werden durfte. Es sind diese Dinge, die einen bedeutenden, positiven Einfluss auf meine Entwicklung vom Teenager zur jungen Frau hatten. Ich hatte die Freiheit, meinen Fokus immer auf mich selbst und meinen persönlichen Werdegang zu legen. Rückblickend weiss man’s eben immer besser. Genau darüber möchte ich in diesem Beitrag schreiben: Wie es für mich war, eine Mädchenschule zu besuchen und warum ich es so geliebt habe.

#1 Hi, I’m NINA AND I AM WHO I AM

Ich hatte in einer Klasse mit rund 25 anderen Mädchen während der ganzen 8 Jahre kein einziges Mal das Gefühl, nicht ich selbst sein zu können. Damals war es die größte Selbstverständlichkeit für mich, zeigen zu können, wer ich bin. Ich kannte es ja nicht anders. Heute weiss ich, dass das überhaupt nicht selbstverständlich ist. Ganz egal ob im Unterricht oder während den Pausen, ich war immer zu 100% Ich und dazu stand ich auch. Ich habe gesungen, getanzt und den größten Unsinn mit meinen Klassenkameradinnen besprochen. Einfach so, wie es eben aus mir raus kam. Kein Verstellen oder Zurückhalten um cool zu wirken, wozu denn auch. Was das nun mit der Tatsache zu tun hat, dass ich auf einer Mädchenschule war? Ich bin mir sicher, dass ich nicht so frei und offen gewesen wäre, wären da auch Jungs in meiner Klasse gesessen. Weshalb, das erzähl ich euch im Punkt 2.

#2 MY OPINION RULEZ

Meinungsfreiheit. Ein Erwachsener würde nun vielleicht sagen, es ist egal, ob ein Junge daneben steht oder nicht. Ein Mädchen kann immer zu ihrer eigenen Meinung stehen. Das ist natürlich wahr. Wenn man sich aber einmal kurz zurück erinnert, dann fällt einem sofort wieder ein: that’s not how teenagers work. In dem Moment, in dem man gefragt wird, seine Meinung zu äußern und dazu zu stehen, was man denkt, rücken plötzlich ganz andere Dinge in den Vordergrund. „Was denkt sich der eine Junge, wenn ich das sage? Was hält der andere Junge von meiner Meinung? Blamiere ich mich?“ Klar, die Meinungsfreiheit entzieht man sich in diesem Moment selbst, im eigenen Kopf, denn eigentlich könnte man auch einfach schon so erwachsen sein und nichts darauf geben was andere von der eigenen Meinung halten. So funktioniert man aber mit 11-18 Jahren (noch) nicht. Es ist zweifellos essentiell, diese Fähigkeit im Laufe der persönlichen Entwicklung zu erlernen. Für mich war es sehr erleichternd, dies in meiner Freizeit, in meinem privaten Freundeskreis zu tun, abseits vom Schulalltag und Bildungsweg.

#3 GIRLGANG, NOT GIRLRIVAL

Die Problematik des klassischen Konkurrenzkampfs zwischen Mädchen à la „Wer kommt bei den Jungs am Besten an“ gab es bei uns außerdem auch nicht. Mag sich banal anhören, ist in Wahrheit aber eines der größten Themen auf dem koedukativen Schulhof. So was lenkt ab, sowohl von der persönlichen Entwicklung als auch von der Bildung. Auf einer Mädchenschule gibt es keine Spur von Fragen wie „Wer nimmt wem den Boy weg“ oder „Wer ist bei den Jungs untendurch“. Das entzieht dem Schulalltag einen ganz schön großen Haufen an Eifersucht und Oberflächlichkeit. Klar, Zickereien und Meinungsdifferenzen gab es natürlich auch bei uns und wird es auch immer gibt geben, egal ob zwischen Mädchen und Mädchen, Jungs und Jungs oder zwischen Mädchen und Jungen. Allerdings ging es bei Mädchen, wenn sie nur unter sich sind um ganz andere Themen auf ganz anderen Ebenen. 

Zusammengefasst habe meine Schulzeit wahnsinnig positiv in Erinnerung und strahle heute noch, wenn ich neuen Bekanntschaften meine Geschichten aus der damaligen Zeit erzähle. Die Riedenburg ist für mich ein Ort, der mich zu einem großen Teil zu dem gemacht hat, wer ich heute bin. Ich habe neben guter Allgemeinbildung auch moralische und menschliche Werte auf meinen Weg mit bekommen, was mich immer noch sehr prägt. Dafür bin ich wahnsinnig dankbar. Ich weiss, dass ich hier von sehr subjektive Erfahrungen schreibe, die jeder Mensch anders wahr nimmt und beurteilt. Mir liegt das Thema trotzdem sehr am Herzen. So sehr, dass ich das Bedürfnis hatte, es mit euch zu teilen. Ich für meinen Teil kann sagen, ich würde mir für jedes Mädchen wünschen, dass sie die Möglichkeit bekommen kann, in so einem Umfeld erwachsen werden zu können, wenn sie es denn so möchte. 

Einmal Girlpower – immer Girlpower.

24 comments on “GIRL POWER: 3 Gründe warum ich es geliebt habe, eine Mädchenschule zu besuchen.”

  1. liebe nina,
    du sprichst mir und vielen anderen schülerinnen der riedenburg aus der seele. vielen dank für diesen tollen beitrag. lg

  2. Liebe Nina!

    Zuerst möchte ich sagen, dass es sehr für die Riedenburg spricht, wenn man nach der langen, durchaus ermüdenden Schulzeit nur solch gute Worte über seine Ausbildungsstätte findet. Dennoch möchte ich dich bitten, da du ja offenbar keine Erfahrung im Bereich der koedukativen Schule hast, nicht so schnell mit den von dir oben angeführten Punkten zu argumentieren. Ich selbst habe 8 Jahre lang eine koedukative Schule besucht und auch ich konnte ungehemmt lachen, singen und tanzen. Sei es vor meinen Mitschülern als auch vor meinen Mitschülerinnen. Natürlich entstehen manchmal, jedoch sehr selten, Liebesbeziehung in einer Klasse. Dies kann durchaus zu Komplikationen führen, dennoch sollte deshalb nicht auf koedukative Schulen verzichtet werden. Ist es doch auch möglich, dass eine gleichgeschlechtliche Liebesbeziehung entsteht. Ich glaube, der Wunsch, den anderen zu gefallen und geschätzt zu werden, stellt sich als unabhängig vom Geschlecht dar. D

    1. Wie gesagt, das Ganze ist sehr subjektiv und wird von Person zu Person anders wahrgenommen. Ich kann nur von meiner Erfahrung sprechen und davon erzählen, wie es für mich war, eine Mädchenschule zu besuchen. Auf keinen Fall möchte ich damit sagen, dass die monoedukative Bildung die einzig Wahre ist. Ich finde es schön, wenn es beide Möglichkeiten gibt und man für sich selbst entscheiden kann, welchen Weg man wählen möchte. Liebesbeziehungen spielen für mich in der Sache gar keine so große Rolle, denn wie du selber schreibst, diese gibt es genau so zwischen dem gleichen Geschlecht. Danke für dein Feedback 🙂

  3. Sehe ich auch so, es war immer mein Wunsch auf eine Mädchenschule zu gehen. Leider hatte ich diese Möglichkeit nicht.
    LG

  4. hallo nina,
    ich gehe auf eine gemischte schule und das gezicke um jungs ist manchmal wirklich kaum auszuhalten. dem was du schreibst über die meinungsfreiheit stimme ich voll und ganz zu, so ist es mir schon oft gegangen. es nervt und es ist unnötig.. danke fürs teilen deiner erfahrung, es war total schön zu lesen

  5. Sehr interessante Ansicht, jedoch bin ich der Meinung, dass es nicht auf den Charakter der einzelnen Klassenkameraden ankommt und nicht auf das Geschlecht. Ich gehe zur Zeit in die 8. Klasse und bin jetzt schon todtraurig, dass ich meine Freunde nicht mehr jeden Tag sehen kann und damit meine ich Mädchen und Burschen. In der Unterstufe waren wir wesentlich mehr Schüler als jetzt (damals 32, heute 15) und da gab es verschiedene Grüppchen, da es ja meistens so ist, dass sich nicht alle miteinander verstehen. Damals war das Klima oftmals nicht ganz so, da es ein paar sehr zickige Mädchen gab, die meinten sie müssen ihre Meinung ungefragt zu allem abgeben (Kleidung, Meldungen in der Stunde, Handlungen, etc.). Da ich eher einen stärkeren Charakter habe, habe ich darunter nicht so gelitten, da es mir egal war was sie zu mir gesagt haben. jedoch weiß ich von einer Klassenkameradin, die das wirklich fertig gemacht hat und sich durch dieses Mobbing selbst verletzt hat. Sie hat sich in der Stunde nicht mehr aufzeigen getraut und wenn der Lehrer eine Frage gestellt ha, hat man sie kaum verstanden, da sie so geflüstert hat. Als diese Mädchen die Schule nach der Unterstufe verlassen haben und wir plötzlich nur noch zu 15. waren hat sich vieles geändert. Mittlerweile sind wir eine große Gruppe, in der sich jeder mit jedem versteht und wir auch außerhalb der Schule sehr viel unternehmen. Meine Freundin ist jetzt auch viel selbstbewusster und fühlt sich auch nicht mehr unwohl, wenn sie etwas im Unterricht sagen muss. In der Oberstufe habe ich meine Freunde fürs Leben gefunden (Mädchen und Burschen) und bin auf Grund meiner Erfahrungen der Ansicht, dass es keinen Unterschied macht, ob Mädchen und Burschen gemeinsam in einer Klasse sind oder nicht, sondern dass es darauf ankommt welche Menschen innerhalb einer Klasse aufeinander treffen.

  6. Hallo Nina,
    erstmal wollte ich loswerden, wie gut das alles klingt, was du da beschreibst und ich kann mir auch gut vorstellen, dass man allein unter Mädchen in vielen Situationen offener sein kann bzw. sich traut offener zu sein.
    Dennoch denke ich, dass man auch vor anderen Mädchen „Angst“ haben kann und sich verstellt um dazuzugehören. Es freut mich natürlich, dass das bei dir nie der Fall war, aber ich denke es gibt auch Mädchen die auf Mädchenschulen Mobbing oder Ähnliches erfahren haben …
    Ich persönlich bin auf einer Schule mit Jungs und Mädchen und hatte bisher nur sehr selten das Gefühl, nicht ich selbst sein oder meine Meinung nicht sagen zu dürfen, worüber ich auch sehr froh bin.
    Ich denke also, dass beide Formen genauso positiv und negativ auf Schüler wirken können – ich denke nämlich, dass Jungs auch sehr erdend auf Mädchen wirken können!
    Lg, Moni

  7. Wow!
    Ich bin, über deine Instagram-page (deine Bilder sind wundervoll), auf dich und deinen Blog aufmerksam geworden und dies ist der erste Post den ich von dir gelesen habe. Wie oben schon gesagt WOW. Dieses Thema finde ich unglaublich interessant und obwohl ich nicht auf eine Mädchenschule gehe und dies sehr genieße finde ich deine zwar schon vergangene Schulzeit sehr beneidenswert. Dieser ungezwungene Umgang hört sich, meiner Meinung nach, sehr verlockend an. Dein Schreibstil ist übrigens sehr toll und schön zu lesen. Danke für diesen Einblick!

  8. hallo nina,
    dein blogpost und dein schreibstil gefällt mir total gut. ich war 4 jahre lang auf einer gemischten schule und 4 weitere jahre auf einer mädchen schule. ich erkenne mich sehr gut wieder in dem, was du schreibst und kann dir nur zustimmen. hab einen schönen tag, resi

  9. Liebe Nina!

    Ich finde es toll, dass du dieses Thema für einen Post aufgreifst. Auch ich habe die Riedenburg absolviert und schwärme heute noch von dieser Zeit, was auf jeden Fall auch daran lag, dass es eine Mädchenschule ist. Mir gefällt diese Veränderung gar nicht und das zeigt wieder einmal, wie groß der gesellschaftliche Druck auf die Schulen heutzutage ist. Aber ich hätte niemals erwartet, dass das wirklich eingeführt wird 🙁 sehr schade!

  10. Hey Nina,
    ein sehr guter Beitrag, ich bin zwar ein junge, aber meine schwester besucht die riedenburg und da ich durch die Hauptschule usw. musste, weiß ich ganz genau wie die leute dort ticken und bin froh dass meine Schwester an der Riedenburg ist. Und ich merke auch an ihr und ihren Freundinnen an wie gut sie sich in die richtige Richtung entwickeln.
    AufJedenfall hoffe ich für euch, dass es eine reine Mädchenschule bleibt.
    Lg

  11. Liebe Nina,

    ein riesen Lob für diesen Beitrag. Besser könnte man es nicht in Worte fassen.

    Ich als ehemalige Schülerin der Riedenburg und mittlerweile Lehrerin an einer (natürlich koedukativen) Mittelschule kenne beide Seiten und kann aus Erfahrungen sagen, dass du es absolut auf den Punkt triffst.

    Schade, dass all der Gegenwind wohl leider nicht viel nutzen wird.

    Alles Liebe,

    deine ehemalige Nachbarin ;o)

  12. Hallo Nina, hast du damals entschieden in die Riedeburg zu gehen weil es eine Mädchenschule ist oder warum hast du dich für diese Schule entschieden?

  13. I kann da nur zuastimma, Nina! I bin 4 johr in na gmischta Schaal gsi und sit Herbst an da Riedenburg und du sprichsh ma so us da Seele! Mega guat ufn Punkt bricht! Danke💕

  14. Toller Blog. War auf einer gemischten Schule und obwohl wir da auch immer aneinander angeeckt sind, war es nie so als das wir vor den Jungs konkurriert hätten. Allerdings war es wirklich vorallem in der Unter- und Mittelstufe ein Problem mit den Jungs. Damals waren es nicht die Mädchen die untereinander, sondern oft die „beliebten“ Jungs die gegen weniger beliebte MitschülerInnen geschossen haben.

  15. Kann ich bestätigen!
    Bin auch 5 Jahre in eine reine Mädchenschule gegangen. Den einzigen schulischen „Kontakt“ mit Jungs gab es beim Tanzkurs und auf dem Weg zum Turnsaal. (Naaaaa, wo war ich wohl diese 5 Jahre???? ). Und es stimmt, cool zu sein und gut rüber zu kommen war innerhalb der Klasse nie die Frage. Es war schlichtweg Wurscht und egal! Das merkte man auch daran, dass Gespräche und Verhalten ganz anders waren, wenn man sich abends beim Weggehen mit Freunden (also auch Jungs) getroffen hat. Da war alles ganz, ganz anders.
    Ich würde diese Zeit nicht missen wollen!

  16. Hm also ich war auf eine gemischten schule und musste sehr unter meinen klassenkameradinnen leiden. Unglaublich, wie hart manche Mädchen in der 7. / 8. Klasse sein können. Durch einen Umzug in eine andere Stadt bin ich dann in einer Klasse gelandet, in der ungefähr 4 weibliche und 20 männliche Mitschüler waren – und das habe ich als so entspannend empfunden! Männer können in manchen Hinsichten so viel „einfacher“ als Frauen sein.
    Trotzdem finde ich es sehr interessant, auch mal so ein positives Feedback über eine reine Mädchenschule zu lesen. Danke dafür!

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